Armaturenbranche hat die richtigen Zutaten

Ob es ihr schmeckt oder nicht – die Ernährungsindustrie steht vor großen Herausforderungen. Aber immerhin konnte sie nach der Rezession der Vorjahre im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen ein leichtes reales Umsatzplus erzielen. Und: Die Lebensmittelbranche befindet sich in einem Umbruch: Mittlerweile ist es durch Künstliche Intelligenz möglich, Produktionsdaten zu analysieren. Und Machine Learning vermag die Herstellung zu optimieren. Ihre Effizienz muss die Ernährungsindustrie unbedingt optimieren – und hier weiß sie die Armaturenbranche an ihrer Seite.

Mit einem Zuwachs von nominal 3,9 Prozent, was real 0,2 Prozent entspricht, konnte die Ernährungsindustrie die Rezession der Vorjahre knapp hinter sich lassen. Das Wachstum beruht dabei auf dem Exportgeschäft, während der Inlandsmarkt real weiterhin rückläufig blieb. Das zeigen die vorläufigen Jahreszahlen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Mit 6.082 Betrieben (+1,8 Prozent), 659.605 Beschäftigten (+2,3 Prozent) und einem Jahresumsatz von rund 241,8 Milliarden Euro ist die Ernährungsindustrie inzwischen der drittgrößte Industriezweig Deutschlands. Auch europaweit nimmt die Branche laut BVE eine Spitzenstellung ein und ist gemessen an Umsatz und Beschäftigung die größte Ernährungsindustrie innerhalb der Europäischen Union.

Der Export trägt das Wachstum

Das reale Umsatzplus im Jahr 2025 ist laut BVE auf das Auslandsgeschäft zurückzuführen. Der Export legte nominal um 9 Prozent, preisbereinigt um 3,9 Prozent, „und entwickelte sich damit deutlich besser als in vielen anderen Industriebranchen“, erläutert der Verband.

Das schmeckt nach mehr … mit einem Zuwachs von nominal 3,9 Prozent, was real 0,2 Prozent entspricht, konnte die Ernährungsindustrie die Rezession der Vorjahre knapp hinter sich lassen, berichtet der BVE.Foto: Pixabay
Das schmeckt nach mehr … mit einem Zuwachs von nominal 3,9 Prozent, was real 0,2 Prozent entspricht, konnte die Ernährungsindustrie die Rezession der Vorjahre knapp hinter sich lassen, berichtet der BVE. 
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Demgegenüber musste das Inlandsgeschäft erneut Einbußen hinnehmen. Der nominale Umsatz stieg zwar um 1,0 Prozent, der preisbereinigte Umsatz sank aber um 1,9 Prozent. Damit setzt sich die Schwäche des Binnenmarkts fort und unterstreicht die anhaltenden strukturellen Herausforderungen am Standort Deutschland.

„Die herausfordernde Lage spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit wider“, betont der BVE. In den vergangenen Jahren sei es in der Ernährungsindustrie zu einem spürbaren Abbau des Kapitalstocks gekommen – „stärker als im gesamten verarbeitenden Gewerbe und auch stärker als in den energieintensiven Industrien“.

Leichte Verbesserung bei der Investitionsneigung

Diese Einschätzung wird durch die aktuelle BVE-Blitzumfrage zur konjunkturellen Lage der Ernährungsindustrie bestätigt, an der 98 Lebensmittel- und Getränkehersteller teilgenommen haben. Demnach sehen 81 Prozent der befragten Unternehmen eine Verschlechterung der Standortbedingungen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren. Überbordende Bürokratie, fehlende Planungssicherheit, hohe Kosten am Standort sowie ausbleibende Reformen hätten den Standort Deutschland in den letzten Jahren deutlich unattraktiver gemacht.

Bei der Investitionsneigung gab es laut BVE im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verbesserung: 20 Prozent wollen die Investitionen am Standort Deutschland in den nächsten 2 bis 3 Jahren (real) erhöhen, 40 Prozent wollen sie in gleicher Höhe fortsetzen, während 34 Prozent sie reduzieren und 6 Prozent auf unbestimmte Zeit komplett einstellen wollen. Bei der Vorjahresbefragung wollten nur 10 Prozent ihre Investitionen erhöhen und 43 Prozent reduzieren.

Besonders kritisch bewerten die Unternehmen die Bereiche Regulierung und Bürokratie, Steuern und Abgaben, Energiepreise sowie Arbeits- und Lohnstückkosten. Allerdings attestieren viele Hersteller dem Standort Deutschland weiterhin ein grundsätzlich gutes Absatzpotenzial.

Die besonderen Herausforderungen liegen bei der Lebensmittelindustrie insbesondere in der Hygiene, oft Aseptik. Auch hier ermöglicht die Digitalisierung eine Verbesserung des Ergebnisses.Foto: GEMÜ
Die besonderen Herausforderungen liegen bei der Lebensmittelindustrie insbesondere in der Hygiene, oft Aseptik. Auch hier ermöglicht die Digitalisierung eine Verbesserung des Ergebnisses. Foto: GEMÜ

„Zukunft gehört den technisch Versierten“

Die Ernährungsindustrie befindet sich aktuell auch in einer digitalen Transformation. Zum Beispiel die Süßwarenbranche. „Die Zukunft gehört den technisch Versierten“, sagt Andreas Bertram, Geschäftsführer der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS). „Heute bilden wir Süßwarentechnologen aus, die mit hochautomatisierten Anlagen arbeiten und Produktionsprozesse digital überwachen.“ Die Branche habe sich zu einem technisch hochspezialisierten Industriezweig entwickelt. Die Schwerpunkte sind heute laut Bertram Anlagenbedienung, Prozessverständnis, Hygiene- und Qualitätsmanagement, nicht mehr nur die handwerkliche Süßwarenherstellung.

Die Süßwarenproduzenten stehen derzeit vor zahlreichen Umbrüchen, die von einem enormen Kostendruck geprägt sind. Andreas Bertram: „Die Antwort darauf heißt: Effizienzsteigerung durch Digitalisierung. Digital Twins, Machine Learning, automatisierte Prozesse, KI-gestützte Datenanalysen von Ausfallzeiten und Maschinendaten – all das wird bereits eingesetzt, um Kosten zu senken.“ Besonders in der Überwachung von Produktionsprozessen, bei der präventiven Instandhaltung und im Energiemanagement. Auch die Mensch-Roboter-Kollaboration gewinne in der Produktion und Logistik an Bedeutung, etwa bei fahrerlosen Transportsystemen und autonomen mobilen Robotern.

Digitale Lösungen in der Ventiltechnik

Unterstützt bei der Verbesserung der Effizienz wird die Ernährungsindustrie von der Armaturenbranche. Um optimale Lösungen zu finden, nutzt auch die AWH Neumo Ehrenberg Group die Digitalisierung, die große Chancen für Effizienz und Sicherheit bietet. AWH verfügt über eine Vielzahl digitaler Lösungen im Bereich der Ventiltechnik, die es ermöglichen, Prozesse präzise zu steuern und zu überwachen. „Mit unserer „VMove“-Serie etwa haben wir Steuerköpfe entwickelt, die eine sichere und gleichzeitig kosteneffiziente Lösung darstellen“, nennt AWH ein Beispiel. Ergänzend dazu kommen integrierte RFID-Transponder zum Einsatz, die eine lückenlose Rückverfolgbarkeit erzielen. „Selbst für den Fall technischer Ausfälle bieten wir zuverlässige Sicherheitslösungen, etwa durch spezielle Sicherheitsventile, die Leitungssysteme und Behälter absichern, wenn automatische Regel- und Überwachungssysteme versagen.“

Die Prozessautomatisierung im Bereich New Food ist für Bürkert ein wichtiger Zukunftsmarkt.Foto: Bürkert Fluid Control Systems
Die Prozessautomatisierung im Bereich New Food ist für Bürkert ein wichtiger Zukunftsmarkt. Foto: Bürkert Fluid Control Systems

Flexibilität beim Automatisierungskonzept

Der Trend der Digitalisierung findet auch in den einfachsten Anwendungen statt. „Prozesse in den Betrieben werden komplexer und Stillstände sind zu vermeiden. Dementsprechend müssen die Prozesse auch transparenter werden“, berichtet Bürkert. Das Unternehmen bietet innerhalb seines Produktportfolios verschiedenste industrielle Kommunikationsstandards, um den individuellen Kundenanforderungen sowohl bei Neu- als auch Bestandsanlagen Rechnung zu tragen.

Die Integration von Fremdprodukten sei ebenfalls eine Stärke von Bürkert und daher ein weiterer Schlüssel zur erfolgreichen Digitalisierung: „Hinsichtlich des Automatisierungskonzepts erhält der Kunde durch Bürkert maximale Flexibilität. Die Automatisierung seiner Anlage kann sowohl dezentral, mittels Steuerkopf oder Side Control, als auch zentral, mittels Ventilinsel, realisiert werden.“

Auch wenn also die Herausforderungen beträchtlich sind, Entwicklungen wie etwa die zunehmende Digitalisierung bieten der Ernährungsindustrie auch große Chancen, wenn sie sich hierdurch effizienter aufstellt – und das mit Unterstützung durch die Armaturenbranche. Und das dürfte ganz nach ihrem Geschmack sein.

GEA Fermentation-tanks

Das Bild zeigt einen Fermentationsbehälter. Beispiel für eine Anwendung: Fermentationsprozesse können eingesetzt werden, um zahlreiche Probiotika, Kulturen, Algen und Hefeprodukte herzustellen, die weitläufig in der Milchindustrie Anwendung finden. Sie können auch zur biotechnischen Herstellung von Aromen, zur Produktion von Gärungsstoffen und zur Formulierung von Enzymen oder Säuerungsmitteln verwendet werden. Im Bereich der Fermentation kommt auch die Digitalisierung zum Einsatz.

Foto: GEA

Michael Vehreschild
Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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