Armaturen für die steigende LNG-Nachfrage

Der LNG-Tanker „Golar Seal“ am FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) „Höegh Esperanza“ in Wilhelmshaven.                Urheber: Björn Lübbe/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Das Wachstum der globalen Nachfrage nach Erdgas wird sich im Jahr 2026 voraussichtlich beschleunigen, da sich die LNG-Welle auf den Märkten ausbreitet. Laut dem jüngsten Gasmarktbericht der IEA (Internationale Energieagentur) wird ein Anstieg des Angebots an verflüssigtem Erdgas voraussichtlich eine Schlüsselrolle bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts auf den globalen Gasmärkten im Jahr 2026 spielen und nach einer Verlangsamung im letzten Jahr zu einem stärkeren Nachfragewachstum führen. Die Armaturenbranche blickt gebannt auf die anziehende Nachfrage im LNG-Bereich und trägt mit ihren Komponenten entscheidend zum Gelingen der Entwicklung bei.

Der Bericht zeigt laut IEA, dass sich das Wachstum der globalen Gasnachfrage nach einem relativ starken Anstieg im Jahr 2024 bis 2025 deutlich auf unter 1 % verlangsamt hat. „Verknapptes Gasangebot im ersten Halbjahr 2025 führte zu höheren Spotpreisen. Diese, zusammen mit einer schwächeren Industrieproduktion, dämpften den Gasverbrauch, insbesondere in Asien“, erläutert die IEA. Ab Mitte 2025 begann sich aber die Angebotslage mit der beschleunigten globalen Produktion von Flüssigerdgas (LNG) zu entspannen.

Neue LNG-Kapazitäten in Nordamerika

Das weltweite LNG-Angebot stieg 2025 um fast 7 %, wobei rund drei Viertel dieses Wachstums auf die zweite Jahreshälfte entfielen. „Die Inbetriebnahme neuer LNG-Kapazitäten in Nordamerika war mit Abstand der größte Treiber dieses globalen Anstiegs“, so die IEA. Dies habe zu einem zweistelligen Wachstum des weltweiten LNG-Angebots in der zweiten Jahreshälfte 2025 geführt und zu sinkenden Spotpreisen in Europa und Asien beigetragen. Der wachsende Anteil von LNG mit flexibler Lieferortwahl stärkte laut IEA zudem die Verbindungen zwischen den regionalen Märkten, wodurch die Preiskorrelationen neue Höchststände erreichten.

Gleichzeitig setzten sich geopolitische und politische Veränderungen fort, die Auswirkungen auf die internationalen Gasströme hatten. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählten die Einführung weiterer Marktreformen in Asien und die wegweisende Entscheidung der Europäischen Union, die russischen Erdgasimporte bis spätestens November 2027 schrittweise einzustellen, so die IEA weiter. Die Erdgaspreise in Asien, Europa und Nordamerika zeigten im Januar 2026 aufgrund von widrigen Wetterbedingungen und geopolitischen Spannungen starke Schwankungen.

Vertrauen in die langfristige Rolle von LNG

Laut dem Bericht blieb die Investitionsdynamik im globalen LNG-Versorgungssektor auch 2025 stark. Mehr als 90 Milliarden Kubikmeter (Mrd. m³) LNG-Verflüssigungskapazität pro Jahr erreichten die endgültige Investitionsentscheidung. Dies war der zweithöchste Jahreswert seit Beginn der Aufzeichnungen nach 2019. IEA: „Die Vereinigten Staaten führten die neue Investitionswelle an und stellten mit über 80 Mrd. m³ genehmigter Jahreskapazität ihre Position als weltweit größter LNG-Lieferant.“ Die Projektentwicklung ging mit einer Rekordzahl an LNG-Vertragsabschlüssen einher, „was das anhaltende Vertrauen in die langfristige Rolle von LNG auf den globalen Gasmärkten unterstreicht“.

Das weltweite LNG-Angebot dürfte sich 2026 weiter beschleunigen und um über 7 % wachsen – das schnellste Wachstum seit 2019. Nordamerika wird voraussichtlich den Großteil des Anstiegs um 40 Milliarden Kubikmeter ausmachen. „Der Angebotsanstieg dürfte 2026 zu einem stärkeren globalen Gasnachfragewachstum von fast 2 % führen, vor allem getrieben von China und den aufstrebenden asiatischen Märkten“, erläutert die IEA.

„Die sich abzeichnende LNG-Welle wird die globalen Gasmärkte in den kommenden Jahren maßgeblich prägen und voraussichtlich zu einem Preisverfall und einer Verbesserung der Liquidität führen, da die regionalen Gasmärkte zunehmend miteinander vernetzt sind“, sagte Keisuke Sadamori, Direktor für Energiemärkte und -sicherheit bei der IEA. „Dennoch bestehen weiterhin verschiedene Risikofaktoren – darunter geopolitische Spannungen und Wetterbedingungen –, wie die Volatilität der Erdgasmärkte Anfang 2026 gezeigt hat. In diesen unsicheren Zeiten ist anhaltende Wachsamkeit in Bezug auf die Energiesicherheit unerlässlich, und die IEA unterstützt Länder weltweit bei dieser wichtigen Priorität.“

Langfristig Markteintritt von grünem Wasserstoff und Ammoniak

LNG haben auch einige Unternehmen der Armaturenbranche im Fokus. Zum Beispiel Emerson. Das Unternehmen zeigt sich optimistisch: LNG stünden weiterhin gute Zeiten bevor – zumindest mittelfristig. Solange wird er ein dynamischer Wachstumsmarkt und unverzichtbare Brückentechnologie sein, die maßgeblich zur Stabilisierung der Gasversorgung und zum Ausbau einer flexiblen Energieinfrastruktur beiträgt. „Langfristig jedoch wird sich das Bild wandeln: Mit dem Markteintritt von grünem Wasserstoff, Ammoniak und weiteren grünen Gasen rückt das Ziel der CO₂-Neutralität immer stärker in den Mittelpunkt und LNG wird zunehmend von emissionsfreien Alternativen abgelöst werden“, erklärt Knut Riegel, Distribution & Service Channel Sales Manager Europe bei Emerson. Für die Armaturenbranche ändere sich – technologisch gesehen – kaum etwas, denn ihre Komponenten werden bereits heute für den LNG-Markt H2-ready gemacht.

Zunehmend autonome Abläufe

Einen der zentralen Bestandteile von LNG-Projekten bildet die Regasifizierung mit der dazugehörigen Terminal-Infrastruktur, die in Deutschland aktuell an mehreren Standorten mit modernen schwimmenden und landseitigen Anlagen vorangetrieben wird. „Technologische Fortschritte bei Armaturenmaterialien, Innovationen in der Kryotechnik sowie insbesondere die Digitalisierung und Automatisierung rücken dabei immer stärker in den Fokus“, berichtet Knut Riegel. „Das größte Potenzial sehe ich in einer industriellen Automatisierungsplattform, die per präskriptiver Analyse Anlagenzustände direkt an der Armatur erkennt, den gesamten Anlagenverbund intelligent vernetzt und mit der Cloud integriert.“ Das ermögliche unternehmensweite Transparenz, weitreichende Prozessoptimierung und zunehmend autonome Abläufe.

Und: Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz würden Anomalien bereits heute frühzeitig erkannt. „Die Automatisierungsarchitektur der Zukunft löst Datensilos auf, macht Armaturendaten nutzbar und steigert die Leistungsfähigkeit ganzer Anlagen deutlich.“

In Zusammenarbeit mit Höegh Evi, einem weltweiten Anbieter von maritimer Energieversorgungsinfrastruktur, plant Deutsche ReGas die Realisierung des „H2-Importterminal Lubmin“. Das Terminal soll das weltweit erste schwimmende Importterminal für die großtechnische Umwandlung von grünem Ammoniak zu grünem Wasserstoff sein und über eine Kapazität von rund 30.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr verfügen. Quelle: Deutsche ReGas

In Zusammenarbeit mit Höegh Evi, einem weltweiten Anbieter von maritimer Energieversorgungsinfrastruktur, plant Deutsche ReGas die Realisierung des „H2-Importterminal Lubmin“. Das Terminal soll das weltweit erste schwimmende Importterminal für die großtechnische Umwandlung von grünem Ammoniak zu grünem Wasserstoff sein und über eine Kapazität von rund 30.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr verfügen.                  Quelle: Deutsche ReGas

Reibungsloser Ablauf entscheidend

Feststeht: Um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden, wird ein Armaturenpaket benötigt, das auch den reibungslosen Ablauf der Prozesse in Verflüssigungs- und Wiederverdampfungsanlagen gewährleistet. Denn die Ansprüche bei LNG haben es in sich. Die Armatur muss für tiefste Temperaturen bis -196°C (LNG liegt bei -162°C) geeignet sein, erläutert das Produktmanagement von Herose. „Sie unterscheiden sich aber nicht deutlich zu unseren anderen Tieftemperaturventilen.“ Verglichen zu Ventilen, die nicht für den Tieftemperaturbereich vorgesehen sind, weichen sie zum Beispiel in der Materialauswahl ab. In der Regel wird eine Firesafe-Zulassung nach DIN EN ISO 10497 benötigt.

Das Unternehmen aus Bad Oldesloe hat sich im Tieftemperaturbereich einen weltweit anerkannten Namen gemacht. Das belegen auch die zahlreichen Nachfragen und Referenzen. Herose hat bereits für viele Schiffe und Landanlagen Armaturenlösungen geliefert. Bei den Schiffen kann das Unternehmen Cruise-, Fähr-, Fracht- und Binnenschiffe sowie Hafenschlepper und -Bagger zu seinen Referenzen zählen. Bei den Landanlagen wurden Importterminals, Verflüssigungs- und Verdampfungsanlagen und Truck-Beladestationen mit Ventilen ausgestattet. Herose erhält regelmäßig Bestellungen für neue Schiffe mit LNG-Antrieb, worunter auch Kreuzfahrtschiffe und Fähren fallen.

Die passende Konstruktion für Tiefsttemperaturen

Generell müssen Armaturen für den LNG-Bereich geeignet sein – hier kommt es etwa auf die Materialkombination an, aber auch auf das Design und die passende Konstruktion für Tiefsttemperaturen. „Hier kommen die konstruktiven Stärken der QUADAX® 4-OFFSET Armatur am besten zur Geltung. Durch die konische Dichtungsgeometrie und das Schließen und Dichten über das Drehmoment können Druck- und Temperaturschwankungen sicher kompensiert werden“, erläutert müller quadax. Die runde Sitz- und Dichtring-Geometrie mit weitestgehend konstanten Wandstärken gewährleiste auch bei wechselnden Temperaturen und dadurch veränderten Geometrien „eine bestmögliche Dichtigkeit und Performance. In Verbindung mit der Dichtringversion unseres Inconell O-Ringes können wir so auch bei den extrem tiefen Temperaturen von -196°C eine bestmögliche Dichtigkeit nachweisen und gewährleisten“.

Die Armaturenbranche ist also für die wachsende Nachfrage im LNG-Bereich gerüstet. Mit Qualitätskomponenten, die auch widrigsten Bedingungen standhalten.

Das Bild zeigt die Anbindungsleitung der FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) in Wilhelmshaven. Urheber: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Das Bild zeigt die Anbindungsleitung der FSRU (Floating Storage and Regasification Unit) in Wilhelmshaven.                          Urheber: Jost Listemann/DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT

Michael Vehreschild
Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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