Beim neuen Projekt „Ready4H2″ (Ready for Hydrogen) sollen nicht nur das Wasserstoff-Know-how und die Erfahrungen der europäischen Gasverteilnetzbetreiber gebündelt werden – es soll auch ein gemeinsames Verständnis dafür schaffen, wie Verteilnetzbetreiber und ihre Gasnetze dazu beitragen können, wie die Einspeisung und Nutzung von Wasserstoff erleichtert werden kann. Das betonen „H2 vor Ort“, der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) in einer gemeinsamen Mitteilung.
Das Ready4H2-Projekt ist bis Februar 2022 geplant und soll drei neue Studien mit unterschiedlichem Untersuchungsschwerpunkt umfassen. Die erste Studie bündelt das „Wasserstoffwissen“ der Verteilnetzbetreiber.
Erfahrungen sammeln
Die erste Analyse wird eine Sammlung der Erfahrungen sein, die die europäischen Verteilnetzbetreiber mit Wasserstoffprojekten und Wasserstoffinfrastruktur haben. Darüber hinaus wird untersucht, wie die Verteilnetzbetreiber in die Wasserstoffentwicklung ihres Landes eingebunden sind und wie weit die Wasserstoffstrategie des Landes entwickelt ist.
Zur Wertschöpfungskette beitragen
Die zweite Studie stellt dar, wie die Verteilnetzbetreiber zur Wasserstoff-Wertschöpfungskette beitragen können. Die Erfahrungen und das Wissen der Verteilnetzbetreiber werden analysiert und in Wertvorschläge für die Wasserstoff-Wertschöpfungskette umgesetzt. Dabei geht es nicht nur um die Erfahrung mit Wasserstoff, sondern auch um die einzigartige Position der Verteilnetzbetreiber und ihren Beitrag zur strategischen Raumplanung. Es wird auch die historische und die sich derzeit entwickelnde Rolle der Verteilnetzbetreiber auf dem Gasmarkt hervorgehoben und wie die historischen Erfahrungen und Kompetenzen in den Wasserstoffsektoren genutzt werden können.

© Fraunhofer IFF
Auch das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF beschäftigt sich mit einer bedarfsgerechten, dezentralen, modularen Lösung zur Produktion und Verteilung von grünem Wasserstoff. Und so könnten laut Fraunhofer zukünftig die Abläufe für die Wasserstofffabrik der Zukunft aussehen.
Fahrplan für Initiativen
Und die dritte Studie Analyse soll einen Fahrplan mit konkreten Initiativen dafür liefern, wie die Verteilnetzbetreiber auf europäischer und nationaler Ebene ein Bindeglied zwischen Wasserstoffproduzenten und -verbrauchern sein können. Sie sollte mögliche Hindernisse und Chancen auf dem Weg der Transformation der Verteilnetzbetreiber zur primären Verteilungsinfrastruktur für Wasserstoff beschreiben.
Deutschland wird in „Ready4H2“ durch die deutsche Verteilnetzinitiative „H2vorOrt“ vertreten, in der rund 40 Verteilnetzbetreiber im DVGW zusammen mit dem VKU an der Transformation der deutschen Gasverteilnetze hin zur Klimaneutralität arbeiten.
Schlüsselelement für Energiewende
„Wasserstoff ist ein Schlüsselelement der europäischen Energiewende. Und die Gasverteilnetzbetreiber sind ein „natürlicher“ Bestandteil der raschen Wasserstoffentwicklung, die in den kommenden Jahren erwartet wird“, betonen Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender DVGW, Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer VKU, und Florian Feller, Vorsitzender H2vorOrt, die Wichtigkeit des Projekts. Jahrzehntelang hätten die Verteilnetzbetreiber in ganz Europa bewiesen, dass sie in der Lage seien, Gas kosteneffizient und sicher über die Netze zu verteilen. „Sie haben umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt, die für den Umbau der europäischen Energieinfrastruktur von entscheidender Bedeutung sind.“
Potenzial durch Verteilnetze nutzen
Die Verteilnetzbetreiber im Projekt wollen zeigen, wie man mit den Verteilnetzen das enorme Wachstums- und das CO₂-Reduktionspotenzial der Wasserstoffnutzung realisieren kann, was europäischen und nationalen Entscheidungsträgern bei der Entwicklung einer H2-Wirtschaft zugutekommt. Linke: „Mit ihren weit verzweigten Netzen in ganz Europa braucht man die Verteilnetzbetreiber, um neben den Plänen der europäischen Fernleitungsnetzbetreiber für den Wasserstoff-Backbone klimaneutrale Gase auch in der dezentralen Wärmeversorgung und Industrie einsetzen zu können.“
EU-Ebene noch zentraler
Die EU-Ebene werde künftig eine noch zentralere Rolle einnehmen, was sich direkt auf die nationalen Ebene auswirken werde. „Die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Nachbarn, ist aufgrund der gestiegenen Bedeutung der EU-weiten Entwicklungspläne und -regelungen umso wichtiger. Nur durch den gemeinschaftlichen Austausch kann ein klares europäisches Bild von den Entwicklungspfaden und den Rechtsrahmen für eine erneuerbare und dekarbonisierte Gasverteilung entstehen.“
Fakten zur Ready4H2
Bisher nehmen Verteilnetzbetreiber aus den diesen Ländern teil: Belgien, Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Tschechische Republik, Dänemark, Frankreich, Irland, Österreich, Slowakei und Schweden. Es wird erwartet, dass sich nach dem Start des Projekts weitere Länder anschließen werden. Auch Organisationen und Unternehmen werden die Möglichkeit haben, sich an dem Projekt zu beteiligen.
Revolution des Energiemarktes
Keine Frage, Wasserstoff könnte den Energiemarkt in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität revolutionieren. Auch Prozesse in der Chemie- und der Stahlbranche sowie in Raffinerien wären deutlich CO₂-ärmer zu gestalten. Potenzial, das auch die Armaturenbranche sieht und sehr genau beobachtet. „Es ist eine starke Aufbruchstimmung zu erkennen und es sieht so aus, dass der Wasserstoff zukünftig zu einem signifikanten Teil des Energiemixes in Deutschland beitragen wird“, erklärt beispielsweise Peter Wegjan, Sales Manager Sonderkugelhähne bei Hartmann Valves. Neben wasserstofftauglichen Spezialkugelhähnen und Bohrlochköpfen bietet das Unternehmen auch bereits Materialeignungs- und Dichtheitstests für das anspruchsvolle Medium H2.
H2Readiness nachgewiesen
Auch „Franz Schuck“ erkannte bereits frühzeitig die Herausforderungen, aber auch Chancen für den zukünftigen Transport- und Verteilungssektor und konnte bereits in Segmenten des Produktportfolios die H2Readiness nachweisen. Als Teil eines Forschungsclusters, in welchem Versorger, Komponentenhersteller und Forschungseinrichtungen gemeinsam an der Transformation der Gasnetzinfrastruktur arbeiten, wird aktiv an der Weiterentwicklung der Produkte, Prüfmethoden- / und Prozesse gearbeitet. Zusätzlich werden die Erkenntnisse aus und in Normengremien übertragen, sodass alle vorhandenen Informationen in Standards verarbeitet werden könnten. Mit dem H2ready zertifizierten Produktprogramm der Schuck Group könnten, so das Unternehmen, bereits heute Wasserstoffnetze hergestellt bzw. auf den zukünftigen Transport mit Wasserstoff vorbereitet werden.
Boom beschleunigen
Dem Wasserstoffmarkt dürfte in den nächsten Jahren also ein Boom bevorstehen – wichtige Weichenstellungen durch die Entwicklungen der Armaturenbranche, aber eben auch durch die neue Initiative „Ready4H2“ könnten den Trend beschleunigen und ihm ein sicheres Fundament bieten.
Hartmann Wasserstoffkugelhahn in der Power-to-Gas-Anlage Falkenhagen (Uniper Energy Storage).

Foto: Hartmann Valves