Neue Kompetenzen für die digitale Transformation

digitization Neue Kompetenzen für die digitale Transformation ARTIKEL DER WOCHE

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Technologische Veränderungen verlangen neue Kompetenzen von Mitarbeitenden. Welche „Future Skills“ für die Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau entscheidend sind, zeigt eine Studie von VDMA und Kienbaum. Und es zeigt sich außerdem, dass die digitale Transformation wichtig für interne Prozesse und für Produkte der Armaturenbranche ist.

Ein Beitrag von Michael Vehreschild.

„Der Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland befindet sich mitten in der digitalen Transformation. Neue Technologien verändern die Prozesse in den Unternehmen und definieren die Wertschöpfungsketten neu“, erklärt der VDMA. Darauf müssten die Firmen in den kommenden Jahren mit umfangreichen Maßnahmen reagieren, wobei interdisziplinäres Arbeiten, Agilität und Veränderungsbereitschaft eine besonders wichtige Rolle spielten.

Eine genauere Analyse dieser zukunftsweisenden Veränderungen zeigt die Studie „Future Skills im Maschinen- und Anlagenbau“ des VDMA, die in Zusammenarbeit mit dem Kienbaum Institut@ISM an der Wirtschaftshochschule International School of Management (ISM), dem hauseigenen Forschungsinstitut der Personal- und Managementberatung Kienbaum, unter 148 Fach- und Führungskräften aus der Branche erhoben wurde.

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Die Zahl der Skills wird für Mitarbeitende im Maschinen- und Anlagenbau zunehmen. Foto: Pixabay

„Digitale Transformation heißt nicht nur technologische Veränderung. Sie verlangt vor allem neue Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese Future Skills entscheiden zukünftig über die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen“, betont Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Walter Jochmann, Managing Director bei Kienbaum Consultants international, ergänzt: „Ein zukunftsorientiertes Kompetenzmanagement ist auch für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus eine der zentralen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Dieses kann allerdings nur gelingen, wenn die Unternehmen sowohl ihr Kompetenzmanagement als auch ihr Lernangebot an der Unternehmensstrategie ausrichten.“ Ausgangspunkt und neu in der Studie sei dabei die Betrachtung von fachlichen und überfachlichen Kompetenzen für die einzelnen Phasen im Produktlebenszyklus, der typisch für die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sei.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

90 Prozent der befragten Unternehmen befinden sich laut der Studie in Veränderungsprozessen. Diese sind vor allem technologischer, organisationaler oder/und prozessualer Natur. Über Veränderungen der Unternehmenskultur berichten nur 17 Prozent der befragten Unternehmen.

Die Mehrheit der Unternehmen ist sich bewusst, wie wichtig Zukunftskompetenzen für den langfristigen Unternehmenserfolg sind. Knapp jedes zweite Unternehmen arbeitet derzeit an der Definition dieser Kompetenzen. Jedes zehnte Unternehmen hat diese bereits in Form eines Kompetenzmodells definiert.

Zukunftskompetenzen sind rar: Vier von fünf Unternehmen sehen sich – auch aufgrund des Fachkräftemangels – mit einem „Skill-Gap“ konfrontiert. Sie geben an, in den nächsten fünf bis zehn Jahren die benötigten Zukunftskompetenzen aufbauen zu müssen.

Die größten Entwicklungspotenziale sehen die Unternehmen beispielweise in interdisziplinärem Arbeiten, Agilität und Veränderungsbereitschaft.

Mehr als 40 Prozent der Unternehmen benennen Systemingenieur/innen, Technische Produktmanager/innen und I.4.0-Servicetechniker/innen als die drei wichtigsten Job-Profile.

Um die notwendigen Kompetenzen sicherzustellen, setzen rund 80 Prozent der Unternehmen dabei auf das Recruiting neuer Fachkräfte mit den entsprechenden Kompetenzen.

Weiterbildung wird – laut Studie – als genauso wichtig eingestuft. 80 Prozent der Unternehmen bilden ihre Fachkräfte fort (Upskilling). Auch Umschulung (Reskilling) wird von 56 Prozent der Unternehmen eingesetzt, um die Mitarbeitenden zu qualifizieren.

Führung heißt für die Mehrheit der Unternehmen vor allem die Entwicklung der Mitarbeitenden. Virtuelle Führung sowie die Entwicklung von Digitalstrategien und digitalen Geschäftsmodellen sind weitere wichtige Führungsaufgaben.

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Der Maschinen- und Anlagenbau wird sich weiter entwickeln – neben dem Handwerk wird zunehmend der Umgang mit digitalen Elementen wichtig werden. Foto: Pixabay

Handreichung mit Kompetenzbox

Um die Personalverantwortlichen in den Mitgliedsunternehmen des VDMA in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen, haben VDMA und Kienbaum Institut @ ISM auf Basis der Studienergebnisse eine Handreichung entwickelt. Diese beinhaltet – neben Erläuterungen für ein zukunftsorientiertes Kompetenzmanagement – eine Kompetenzbox und beispielhaft für einzelne Jobbeschreibungen abgeleitete Kompetenzprofile.

Der Studienbericht „Future Skills im Maschinen- und Anlagenbau“ steht ab sofort kostenfrei zum Download bereit unter: VDMA-Kienbaum Studie.

Transformation hat längst begonnen

Hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur und in die Mitarbeiterausbildung, die Nutzung alternativer Organisationsformen – zum Beispiel unabhängig agierende Gründerzentren – sowie Kooperationen mit Start-ups und Hochschulen haben im Großanlagenbau einen Transformationsprozess in Gang gesetzt und das Mindset der Belegschaften grundlegend verändert, erklärt der VDMA. Das Leitbild des „Projektmanagers auf der Parkbank“, das vom VDMA in der Studie „Digital Business Models in Plant Engineering“ im Jahr 2019 postuliert wurde, „wird somit schrittweise zur Realität“.

„Digitale Dienstleistungen wie etwa Softwarelösungen für die vorausschauende Anlagenzustandsanalyse, die Produktionsplanung und das Energiemanagement tragen immer mehr zum Umsatz im Großanlagenbau bei“, betont der VDMA. Hätten vor der Pandemie (2018) erst 55 Prozent der AGAB-Mitglieder solche Angebote im Portfolio, seien es 2021 bereits 93 Prozent der befragten Unternehmen gewesen. Gleichzeitig nimmt laut VDMA der „digitale“ Umsatzanteil kontinuierlich zu: Aktuell geben 36 Prozent der Mitglieder an, mehr als 5 Prozent des Gesamtumsatzes mit digitalen Angeboten zu erzielen (2018: 25 Prozent).

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Neue Technologien verändern die Prozesse in den Unternehmen und definieren die Wertschöpfungsketten neu. Foto: Pixabay

Digitale Transformation der Armaturenbranche

Die Digitalisierung ist also nicht mehr wegzudenken – und ermöglicht der Armaturenbranche und den Endusern wertvolle Vorteile. So unterstützen Automatisierung und Digitalisierung vermehrt Antriebe und Armaturen. „Der Einsatz digitaler Systeme ist entscheidend für einen dauerhaften effizienten Betrieb“, betont beispielsweise Andreas Fuchs, Rotork Country Manager Germany.

Intelligente elektrische Stellantriebe verfügen beispielsweise über einen Datenlogger, der es ermöglicht, Daten zu erfassen, aufzuzeichnen und auszuwerten. Dies könne etwa die Anzahl der Ventilbewegungen, Alarme, Drehmomentprofile und unbefugte Bedienungsversuche sein. „Insbesondere Drehmomentprofile liefern wertvolle Informationen über den Zustand der Armatur, während plötzliche Änderungen der Durchschnitts- und Spitzen-Temperatur oder -Vibration auf ein Anlagenproblem hindeuten könnten“, erläutert Andreas Fuchs.

Die Daten können in Asset-Management-Systemen, wie dem Intelligent Asset Management von Rotork, analysiert werden und liefern frühzeitig wichtige Informationen, um über die notwendigen Maßnahmen zu entscheiden, die ergriffen werden müssen, um einen sicheren und zuverlässigen Anlagenbetrieb zu gewährleisten und unvorhergesehene kostspielige und gefährliche Anlagenausfälle zu vermeiden.

Die digitale Transformation ist also gleichermaßen für interne Prozesse und für Produkte der Armaturenbranche wichtig und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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Alle Bilder wurden vor der COVID-19-Pandemie bzw. unter Einhaltung der Abstandsregeln aufgenommen.

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