OHL Gutermuth: Für extreme Bedingungen geschmiedet

OHL Gutermuth entwickelt maßgeschneiderte Lösungen für seine Kunden, auf die Wolfgang Röhrig, geschäftsführender Gesellschafter, mit Recht stolz ist.                             Fotos: OHL Gutermuth

Das Armaturenportfolio von OHL Gutermuth bildet ein leistungsstarkes, langlebiges und klimafreundliches Kraftpaket. Die Ventile haben sich auch unter extremsten Bedingungen bewährt und dabei sogar manche Anlage überlebt. In der Cover Story der „Armaturen Welt“ erläutert Wolfgang Röhrig, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter von OHL Gutermuth, warum auch der Markt überzeugt ist von den maßgeschneiderten Komponenten des Unternehmens aus Altenstadt. Die Kundenbindung wird bei OHL großgeschrieben.

Von Lyndsey Denton-Fray

In der Welt der industriellen Verfahrenstechnik werden Ventile meist nicht beachtet. Sie verbergen sich zwischen Flanschen, erfüllen ihre Aufgabe und verschwinden manchmal völlig aus dem Blickfeld. Bei OHL Gutermuth, einem Unternehmen mit einer über 150-jährigen Tradition, sind Ventile jedoch alles andere als gewöhnlich. Sie sind Meisterwerke der Technik, die dafür ausgelegt sind, unter schwefelhaltigen Extrembedingungen zu funktionieren, arktischen Temperaturen standzuhalten und bahnbrechende Energieinnovationen zu ermöglichen, die zur Dekarbonisierung ganzer Industriezweige beitragen könnten.

Ein Herzstück des Portfolios ist ein Ventil, das in Aussehen und Leistung einzigartig ist: das OHL 4-Wege-CDM-Ventil. Dieses Ventil wurde für einige der rauesten chemischen Umgebungen entwickelt und ist ein Beweis für die Philosophie von OHL: Industrielle Komponenten sollten nicht nur unter extremem Druck und extremen Temperaturen funktionieren, sondern auch über Jahrzehnte, ja sogar Generationen hinweg.

Das Fundament für den Erfolg bilden die Kundenbeziehungen und Investitionen in neue Technologien bei OHL. Ein Konzept, das Wolfgang Röhrig näher erläutert.

Das 4-Wege-CDM-Ventil für SRU

3-Wege-Reaktor-Umschaltventile mit vollflächigem Intensivheizmantel.
3-Wege-Reaktor-Umschaltventile mit vollflächigem Intensivheizmantel.

In Schwefelrückgewinnungsanlagen (SRUs), in denen Gase wie Schwefelwasserstoff (H2S) und Schwefeldioxid (SO2) bei Temperaturen von über +450 °C zirkulieren, würden die meisten Geräte schnell korrodieren, Risse bekommen oder direkt ausfallen. Das 4-Wege-Ventil CDM von OHL wurde jedoch speziell für solche Bedingungen entwickelt.

Mit einer Temperaturgrenze von bis zu +450 °C, die auf Anfrage auch höher ausgelegt werden kann, und einer Dichtheit gemäß ISO 5208 Klasse IV–V ist das Ventil speziell für diese rauen Bedingungen entwickelt worden. Was es so einzigartig macht, ist die Kombination aus sorgfältig ausgewählten Materialien, fortschrittlichen Dichtungstechnologien und einem einzigartigen inneren und äußeren Heizmantel, der das Aushärten von Schwefel verhindert, was in diesen Umgebungen eine große Herausforderung darstellt.

„Das ist das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung“, sagt Wolfgang Röhrig, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter von OHL Gutermuth. „Wir entwickeln seit den 1970er Jahren Armaturen für SRU- und TGTU-Systeme (Tail Gas Treatment Unit), und dieses Ventil wurde speziell entwickelt, um die Einschränkungen herkömmlicher 2-Wege- oder 3-Wege-Konstruktionen in kompakten SmartSulf®-Systemen zu überwinden.“

SmartSulf®, ein effizienteres Claus-Verfahren, macht Abgasbehandlungsanlagen überflüssig. Das reduziert den Platzbedarf, die Komplexität und die Emissionen. Allerdings stellt es besondere Anforderungen an Komponenten wie Ventile, die einwandfrei funktionieren und gleichzeitig den Bedarf an menschlicher Überwachung verringern müssen.

Für den Einsatz mit SmartSulf® hat OHL das 4-Wege-Ventil CDM entwickelt, ein automatisiertes Hochleistungsventil, das sowohl das Absperren als auch die Änderung der Durchflussrichtung in einer schlanken Konfiguration ermöglicht. Es wird bereits weltweit geliefert, oft direkt im Herzen von SmartSulf®-Systemen, und erfordert dank vollständiger Automatisierung und Integration in die DCS-Systeme (Distributed Control System) der Anlagen nur minimale menschliche Eingriffe. „Es ist nicht nur ein Ventil“, sagt Wolfgang Röhrig. „Es ist ein eigenständiges Hightech-Steuerungssystem.“

Kundenbindung und maßgeschneiderte Produkte

Während viele Unternehmen Produkte für den Markt herstellen, entwickelt OHL Lösungen für seine Kunden. „Der Kunde sagt uns: ‚Wir haben ein Problem, können Sie uns helfen?‘ Und wir überlegen uns dann, wie wir eine Lösung finden können, die auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist“, erklärt Wolfgang Röhrig. „Hier kann ich mit Stolz sagen, dass wir speziell entwickelte Erzeugnisse herstellen und keine Serienprodukte.“

Der Erfolg des 4-Wege-CDM-Ventils ist ein direktes Ergebnis des Engagements von OHL für seine Kunden. „Dieses Ventil war eine Anforderung seitens des Kunden, was meistens der Fall ist, wenn wir Dinge entwickeln“, erklärt Wolfgang Röhrig. „Auf die Bedürfnisse unserer Kunden einzugehen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, hat für uns höchste Priorität, um Qualität und Zufriedenheit zu gewährleisten. Wir sind flexibel bei der Entwicklung neuer Designs und verfügen über ein fantastisches Design- und Forschungsteam, das die Wünsche umsetzt.“

Die Kundenbindung erstreckt sich vom Entwicklungsprozess bis hin zum Wartungsservice. Vor einigen Wochen reiste ein OHL-Ingenieur nach Südafrika, um Wartungsarbeiten an einem Solarkraftwerk durchzuführen. „Für uns als Hersteller von Industrieventilen ist dieser Service nichts Außergewöhnliches. Die intensive Betreuung vor Ort ist Teil unseres Wartungsangebots.“

Kryogener Test einer 42” 300# Absperrklappe in der OHL-Werkstatt.
Kryogener Test einer 42” 300# Absperrklappe in der OHL-Werkstatt.

Extreme Bedingungen

Von Jet-Triebwerksprüfständen mit Gastemperaturen von 2000 °C bis hin zu kryogenen Gastrennanlagen, die bei -196 °C betrieben werden, müssen die Ventile von OHL dort bestehen und funktionieren, wo nur wenige andere dies können.

Die Absperr- und Regelklappen von OHL für den Schiffsbau werden beispielsweise aus Titan, Inconel und Hastelloy-Legierungen hergestellt, die eher in Raumfahrzeugen als in Schiffsrümpfen zu finden sind. Diese Materialien sind erforderlich, da die Ventile an der Schnittstelle zwischen heißen Abgasen und kaltem, korrosivem Meerwasser eingesetzt werden. In solchen Umgebungen gibt es keinen Spielraum für Fehler.

Im Rahmen des jüngsten zivilen und militärischen Marineprojekts von OHL wurden die Ventile umfangreichen Schock- und Vibrationstests unterzogen, die weitaus härtere Bedingungen simulierten, als sie jemals auf einem Handelsschiff auftreten würden. „Unsere Ventile müssen unter permanenter Vibration und plötzlichen Stößen voll funktionsfähig bleiben. In solchen Szenarien entscheiden Millisekunden über die Sicherheit“, betont Wolfgang Röhrig.

Für Chinas größtes Gasfeld liefert OHL Hochdruck-Kryogenventile, die bei -196 °C heliumdicht bleiben müssen, bei Drücken bis zu Klasse 900# und Durchmessern bis zu 42 Zoll. Dies erfordert ein tiefgreifendes Verständnis des Ausdehnungsverhaltens von Materialien, insbesondere wenn verschiedene Metalle miteinander interagieren müssen.

„Das Schwierigste ist nicht das einzelne Material“, erklärt Wolfgang Röhrig. „Es geht darum, das gesamte System – Dichtungen, Flansche, Spindeln – dazu zu bringen, sich unter extremer thermischer Kontraktion und Ausdehnung konsistent zu verhalten. Das ist unsere Nische.“

Das Vermächtnis der Langlebigkeit

Kryogener Test von Hochdruckventilen.
Kryogener Test von Hochdruckventilen.

Eine der bemerkenswertesten Errungenschaften von OHL ist die Langlebigkeit seiner Produkte: Ventile, die mehr als 50 Jahre im industriellen Dauereinsatz halten. Dies ist keine Theorie, sondern eine dokumentierte Tatsache. In den 1970er Jahren lieferte OHL Absperrventile an eine kanadische Erdgasaufbereitungsanlage. Dieselben Ventile waren bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb. Eine ähnliche Langlebigkeit wurde in Indien dokumentiert, wo Ventile, die in den 1990er Jahren in der Raffinerie von Reliance Industries in Jamnagar installiert wurden, immer noch einwandfrei funktionieren.

„Unsere Designphilosophie konzentriert sich auf Reparaturfähigkeit“, sagt Wolfgang Röhrig. „Jedes Ventil, das wir bauen, kann zerlegt, überholt und wieder in Betrieb genommen werden. So ermöglichen wir nicht nur Leistung, sondern echte Nachhaltigkeit.“

In einer Zeit, in der „Netto-Null“ zu einem Schlagwort geworden ist, setzt OHL auf Qualität statt Wegwerfmentalität. Durch die Herstellung hochwertiger und langlebiger Produkte müssen weniger Ersatzteile gekauft werden, was für die Kunden geringere Gesamtkosten und einen geringeren Materialverbrauch bedeutet.

„Es gibt einen Grund, warum unsere Kunden uns seit Jahrzehnten treu bleiben“, fügt Wolfgang Röhrig hinzu. „Unsere Ventile überdauern viele der Anlagen, in denen sie installiert sind.“

Grüne Transformation und Technologien

OHL treibt die nächste Welle der Energiewende voran, von grünem Wasserstoff bis hin zu solarbasierten Flugkraftstoffen.

So hat OHL eine zentrale Rolle beim Bau der weltweit größten Konzentrierenden Solarenergieanlage (CSP) in Dubai gespielt. In dieser Anlage wird Sonnenlicht konzentriert, um Temperaturen von bis zu 1.000 °C zu erzeugen, die dann als Prozesswärme zum Antrieb von Reaktoren oder zur Dampferzeugung genutzt werden.

Vor Kurzem wurden OHL-Ventile in der ersten Schweizer Pilotanlage eingesetzt, die synthetischen Flugkraftstoff unter Verwendung von Sonnenenergie und atmosphärischem CO₂ herstellt. Der Prozess, eine Kombination aus solarer Thermochemie und Biomasse, gilt als vielversprechender Weg zur Dekarbonisierung des Luft- und Seeverkehrs.

Um die Herausforderungen der Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) zu bewältigen, hat OHL Hochtemperatur-Absperrventile entwickelt, die bei bis zu 1500 °C eine Metall-auf-Metall-Dichtheit gewährleisten. Dies ist eine extreme Beanspruchung für Ventile, die für eine dichte Absperrung und Zuverlässigkeit über mehrere Zyklen hinweg ausgelegt sind.

„Wir haben unser erstes Ventil für Solar-Kraftstoff vor fast 20 Jahren entwickelt“, erklärt Wolfgang Röhrig. „Mit dem Vorstoß für nachhaltige Kerosin- und SAF-Beimischungsvorschriften werden diese Technologien nun kommerziell relevant.“

Um seine Projekte weiter auszubauen, hat OHL auch spezielle Anti-Surge-Ventile für die sichere Absperrung und Steuerung von Dampfturbinen entwickelt. Bei Betriebstemperaturen von bis zu 600 Grad Celsius und Drücken von bis zu 56 bar ist Sicherheit von größter Bedeutung. Dies wurde natürlich berücksichtigt, indem das Ventil mit einer Sicherheitsfunktion und einer Schnellschließzeit von 0,2 Sekunden ausgestattet und mit einem hydraulischen Federrückstellantrieb und weiteren spezifischen Zubehörteilen geprüft wurde. Für dieses Ventil sind Größen bis zu DN 800 ANSI Klasse 900# ausreichend.

Neue Bearbeitungszentren und Zertifizierungen

Wolfgang Röhrig.
Wolfgang Röhrig.

Am Standort Altenstadt hat das Unternehmen massiv in neue Bearbeitungszentren und maßgeschneiderte Prüfstände investiert, wodurch die Produktionszeiten um 30 Prozent reduziert und fehleranfällige Umspannvorgänge minimiert werden konnten. Dies hat zu schnelleren Durchlaufzeiten, engeren Toleranzen und einer noch höheren Produktqualität geführt. „Das ist eine notwendige Entwicklung“, sagt Wolfgang Röhrig. „Wir produzieren in Mitteldeutschland, nicht in einem Niedriglohnland. Das bedeutet, dass wir über Präzision und nicht über den Preis konkurrieren. Unsere Mitarbeiter, unsere Maschinen und unsere Erfahrung machen das möglich.“

OHL verfügt außerdem über eines der umfassendsten Zertifizierungsportfolios der Branche, darunter ISO 9001, ISO 14001, PED, API, CRN, TRCU, TSG und SIL.

Die SIL-Zertifizierung erwies sich als etwas Besonderes. Diese Zertifizierung galt für die Absperrklappen von OHL mit Metall- und Weichsitzen, deren Zuverlässigkeit in einer langfristigen Studie in Zusammenarbeit mit einer renommierten Universität unter realen Einsatzbedingungen ermittelt wurde. OHL gehörte auch zu den ersten, die die strengen deutschen TA-Luft-Emissionsanforderungen erfüllten, und ist weiterhin Vorreiter in Sachen Sicherheit und Umweltkonformität. „Wir warten nicht darauf, dass Vorschriften Veränderungen erzwingen“, sagt Wolfgang Röhrig. „Wir wollen ihnen immer einen Schritt voraus sein.“

Rückblick und Ausblick

Auf den ersten Blick mag das 4-Wege-Ventil von OHL wie ein Nischenprodukt erscheinen, und das ist es auch – aber es ist wichtig, das Gesamtbild zu betrachten. Dieses Ventil und die Technologie, die hinter solchen Produkten steckt, tragen zu einer besseren Dekarbonisierung und Arbeitssicherheit bei. In einer Welt, die zunehmend von Energieeffizienz, Emissionsreduzierung und langfristiger Leistungsfähigkeit abhängig ist, zeigt OHL, dass Langlebigkeit Nachhaltigkeit bedeutet und dass extrem anspruchsvolle Technik auch umweltfreundliche Technik sein kann.

DATEN & FAKTEN

 

Unternehmen: OHL Gutermuth Industrial Valves GmbH
Produktportfolio: KX Safeflex, OG Absperr-Regelklappe, KK Absperr- und Regelklappe, GG/EE Absperrklappe, DKK/DAK Regelklappen, ELL/ELS Regelklappe, CAM-CDM Absperrventile, CHM Heißgas Mischventil

Sonderlösungen: Absperr- und Regelklappen für Tieftemperaturen bis -196°, Absperr- und Regelklappen für Hochtemperaturen bis +1300°

Branchen: Ablufttechnik, Anlagenbau, Bergbau, Chemische Industrie, Entschwefelungsanlagen, Fernwärmesysteme, Gasindustrie, Hüttentechnik, Kältetechnik, Kokerei, Kraftwerke, Luft- und Klimatechnik, Ofenbau, Papierindustrie, Petrochemische Industrie, Rauchgasreinigungsanlagen, Schiffsbau, Solarkraftwerke, Stahlindustrie, Stromerzeugung, Umwelttechnik, Zuckerindustrie
Hauptsitz: Helmershäuser Str. 9
D-63674 Altenstadt
Germany
Geschäftsführender Gesellschafter: Dipl.-Ing. Wolfgang Röhrig
Kontakt: Tel.: 06047/ 80 06-0
E-Mail: og@ohl-gutermuth.de
Website: www.ohl-gutermuth.de
Michael Vehreschild
Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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