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Auch im Maschinenbau bestimmen globale Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit die Produktion von morgen. Die Rückmeldungen der Studie Next Generation Manufacturing belegen, dass es bereits einen starken Mangel an IT-Spezialisten, Fachkräften mit spezieller Ingenieurausbildung sowie Facharbeiterinnen und Facharbeitern gibt. Die Studie untersucht, wie die Unternehmen sich auf diese Herausforderung vorbereiten.
Ein Beitrag von Michael Vehreschild.
Der Druck auf die Produktionskosten wird laut Studie im gesamten Maschinen- und Anlagenbau aus Sicht von 64 Prozent befragter Entscheiderinnen und Entscheider weiterhin zunehmen. Zugleich wird es zunehmend schwieriger, sich als Unternehmen erfolgreich zu positionieren, denn die Mehrzahl der Firmen verfolgt ähnliche Optimierungsansätze. Nur rund 29 Prozent sehen gute Spielräume, da sie an anderen Stellschrauben zu drehen versuchen als die Mehrheit ihrer Marktbegleiter.
Geprägt wird die Entwicklung zudem von sechs globalen Megatrends: Die eigene Produktion insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Lokalisierung neu aufzustellen, hat eine hohe Relevanz für Maschinen- und Anlagenbauer. Hier ergeben sich neue Differenzierungsmerkmale, ebenso wie durch die Trends zu zunehmender Individualisierung, verstärktem Populismus oder einer Disruption der Industrie. Dies sind die zentralen Ergebnisse der Studie Next Generation Manufacturing, die der VDMA zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführt hat.
Staatliche Unterstützung nötig
Die noch komplexer werdenden Anforderungen an Standorte und Rahmenbedingungen der Produktion bedürfen jedoch flankierender Maßnahmen seitens der Politik. Hier gibt es für die meisten Länder noch einiges zu tun. Nur 32 Prozent der Entscheiderinnen und Entscheider antworteten laut der Studie, dass derzeit die staatlichen Voraussetzungen gegeben seien, die sechs Trends bestmöglich nutzen zu können. 2Technische Infrastruktur wie schnelles Internet, stabile Stromversorgung und gut ausgebaute Transportwege sind ebenso Bedürfnisse wie geeignete Gesetze zum Schutz geistigen Eigentums, zum Kampf gegen Korruption wie auch zum Abbau von Bürokratie.“ Auf steuerlicher Ebene wurden zuvorderst niedrige Import- und Exportzölle sowie staatlich geförderte Forschung genannt.

Ganz entscheidend seien jedoch vor allem das Bildungssystem und die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte. „Die Rückmeldungen der Studie belegen, dass es bereits einen starken Mangel an IT-Spezialisten, Fachkräften mit spezieller Ingenieurausbildung sowie Facharbeiterinnen und Facharbeitern gibt“, erklärt der VDMA. Das mache sich im Tagesgeschäft bereits bemerkbar. Der nicht abdeckbare Bedarf an hochspezialisierten IT-Fachkräften habe schon heute bei 64 Prozent der Antwortenden negative Auswirkungen.

Trend zu mehr Nachhaltigkeit
Beim Trend Nachhaltigkeit gilt es, die Produkte selbst wie auch den gesamten Herstellungsprozess nachhaltig auszurichten – in Bezug auf Energie- und Ressourcenverbrauch, Emissionen und andere ökologische Faktoren, aber auch bei sozialen Aspekten wie Menschenrechten, der gesellschaftlichen Wirkung des Unternehmens und der Produkte. Dazu braucht es zunächst Transparenz über diese Faktoren entlang der gesamten Lieferkette, also nicht nur bei direkten Zulieferern, sondern auch bei deren Zulieferern.
Auf dieser Grundlage können dann ESG-Ziele entwickelt und umgesetzt werden, zum Beispiel das Produktdesign und die Produktion für eine Kreislaufwirtschaft zu optimieren und diese zu implementieren, Reparatur- oder Rücknahmesysteme einzuführen oder Fotovoltaik und andere erneuerbare Energiequellen an den eigenen Standorten zu installieren, statt nur „grünen“ Strom zu kaufen. Die Selbstverpflichtung zu den gesetzten ESG-Zielen sollte auch dokumentiert werden und sich in der Entlohnung widerspiegeln.
Dabei gilt es, nicht nur das zu tun, was gesetzlich gefordert ist oder sich finanziell lohnt, sondern bewusst auch darüber hinaus zu handeln und zu investieren. Hilfreich kann sein, sich und seine ESG-Ziele extern zertifizieren zu lassen, aus dem Rating weitere Handlungsansätze abzuleiten und diese in konkrete Umsetzungspläne umzuwandeln. Daraus können sich sowohl neue, chancenreiche Geschäftsfelder ergeben – zum Beispiel die Entwicklung und Produktion von Maschinen für Recyclingprozesse – als auch eine verbesserte Positionierung am Kapitalmarkt oder ein einfacherer Zugang zu öffentlichen Aufträgen oder Förderungen.
Trend zur deutlicheren Lokalisierung
Gestiegene Transportkosten sowie der Wunsch nach weniger Abhängigkeit von störungsanfälligen globalisierten Lieferketten befördern den Trend hin zu mehr lokaler oder regionaler Produktion. Um diese umzusetzen und Abhängigkeiten zu reduzieren gilt es, sowohl die Produktpalette als auch die Fertigung für den jeweiligen regionalen Markt zu adaptieren, auf die Standorte aufzuteilen sowie gezielt Kaufteile aus der Region zu beziehen. „Hilfreich kann dabei sein, Produkte zum Beispiel erst in kurzer Distanz zum Kunden – angepasst an die lokalen Präferenzen – final zu montieren oder zu verpacken“, erklärt der VDMA in einer Mitteilung.
Um die Produktion bei Bedarf schnell an andere Standorte verlagern zu können, sei es zudem sinnvoll, ein möglichst hohes Maß an Flexibilität vorzuhalten. Dazu gehört unter anderem, Produkte und Produktionsprozesse gleich für mehrere Länder oder Regionen zu zertifizieren, das nötige Know-how gut zu dokumentieren, Maschinen so (modular) zu gestalten, dass ihre Produktion schnell verlagert werden kann, Grundstücke, Gebäude und auch Maschinen zu leasen statt zu kaufen oder sogar ganze Produktionen in Manufacturing-as-a-Service-Modelle auszulagern.
Trend zur Digitalisierung schreitet fort
Bei der Digitalisierung sind viele produzierende Unternehmen schon relativ weit fortgeschritten und nutzen eine breite Palette an Möglichkeiten. Mit digitalen Produktkonfiguratoren können Kunden zum Beispiel online individuelle Varianten von Produkten erstellen, für die nach Abschicken der
Bestellung automatisiert ein Produktionsauftrag samt Stückliste und sonstigen nötigen Informationen erzeugt wird.
Digitale Zwillinge erlauben Transparenz in der Produktion und unterstützen die Simulation, Steuerung sowie Verbesserung ihrer physischen Originale. Daten von digitalisierten und vernetzten Maschinen und Anlagen helfen, deren Einsatz zu optimieren, ermöglichen Prognosen für den Bedarf an Wartung und erleichtern so die Serviceplanung. Digitale Lösungen und Smart-Factory-Konzepte sorgen zudem für mehr Effizienz und Flexibilität in der Produktion, während ein durchgehend vereinheitlichter und volldigitalisierter Daten- und Informationsaustausch – von der Auftragsklärung bei der Produktentwicklung über die Beschaffung und Logistik bis hin zur Produktionsplanung – Kosten und Zeit spart sowie die Fehleranfälligkeit reduziert.

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