
Stimmung hat sich aufgehellt
Kein Wunder also, dass sich die Stimmung unter den Unternehmen zu Jahresbeginn aufgehellt hat. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Januar auf 95,7 Punkte gestiegen, nach 94,8 Punkten im Dezember. Die Unternehmen beurteilten die aktuelle Lage zwar etwas schlechter, die Erwartungen stiegen jedoch deutlich an. „Die deutsche Wirtschaft startet mit einem Hoffnungsschimmer ins neue Jahr.“
Im Verarbeitenden Gewerbe hat der Index einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Die Unternehmen waren zufriedener mit den laufenden Geschäften. Zudem nahm laut ifo der Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate zu. „Die Situation bei den Lieferengpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen hat sich etwas entspannt.“ Die Kapazitätsauslastung stieg von 84,9 auf 85,6 Prozent.
In der Industrie legte auch das Beschäftigungsbarometer zu. Ifo: „Insbesondere Firmen im Maschinenbau und in der Elektroindustrie suchen viele neue Mitarbeiter.“ Ein Lichtblick seien auch die IT-Dienstleister, „die weiter kräftig einstellen“.

Forderung nach besseren Bedingungen
Trotz der erfreulichen Entwicklung fordern einige Verbände von der deutschen Politik geeignete Maßnahmen, die die Branchen noch besser gedeihen lassen könnten. Zum Beispiel die Verbände BWE (Bundesverband Windenergie) und VDMA Power Systems. Aus ihrer Sicht ist der aktuelle Zubau bei Onshore-Windenergieanlagen in Deutschland „unzureichend“. Eine wichtige Einschätzung letztlich auch für die Entwicklung der Erneuerbaren Energien insgesamt.
Im Gesamtjahr 2021 wurden in Deutschland 484 Onshore-Windenergieanlagen mit 1.925 Megawatt (MW) installierter Leistung errichtet. Dies ergibt sich aus der aktuellen Analyse der Deutschen WindGuard im Auftrag von BWE (Bundesverband Windenergie) und VDMA Power Systems. Der Bruttozubau 2021 liegt somit 35 Prozent über dem Zubau des Vorjahres (1.431 MW). „Wie schon im Jahr 2020 reicht diese Zubaumenge allerdings nicht aus, um den Klimazielen der Bundesregierung und dem wachsenden Strombedarf für klimaneutrale Energie gerecht zu werden“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von BWE und VDMA Power Systems.
Schwerpunkt auf Windenergieausbau
„Der aktuelle Zubau ist unzureichend und kann uns hinsichtlich der Zielerreichung nicht zufriedenstellen. Niedrige Ausbauvolumen führen mittelfristig auch zu Problemen bei der Versorgungssicherheit, der Sicherung des Know-hows und des Innovationspotentials entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, sagt Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Der von der neuen Regierung formulierte Schwerpunkt auf den beschleunigten Ausbau der Windenergie an Land bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus sei daher richtig und notwendig. Ausschreibungsvolumen und Termine müssten dazu angepasst und verstetigt werden. Oberste Priorität habe weiterhin die schnellstmögliche Umsetzung von Maßnahmen für mehr Flächen und beschleunigte Genehmigungsverfahren.
Es sei positiv, dass die Erneuerbaren Energien in der Schutzgüterabwägung künftig Vorrang haben sollten. Besonders im Umgang mit Arten- und Naturschutz muss sich das Verständnis verfestigen, dass Klimaschutz auch Arten- und Naturschutz ist. Beide Güter dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Um die Akzeptanz der Windenergie in Deutschland zu stärken, gilt es, einheitliche Prüfverfahren für Systeme der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung durchzusetzen. Auf diese Weise könnte die Umrüstungsfrist bis Ende 2022 noch eingehalten werden.

Prognose für das Gesamtjahr
Für das Gesamtjahr 2022 erwarten die Verbände BWE und VDMA Power Systems auf Basis einer Auswertung bereits bezuschlagter Projekte und der bisherigen Realisierungsgeschwindigkeit von Ausschreibungsanlagen einen Ausbau von 2,3 GW bis 2,7 GW. Geregelte Abläufe in den Lieferketten, vereinfachte und planbare Transportgenehmigungen, das Ertüchtigen der Transportinfrastruktur und die flexible Verfügbarkeit von Arbeitskräften seien von hoher Relevanz, um höhere Zubauziele zu erreichen.
Nach einer weltweiten Onshore-Rekordinstallation von rund 87 GW im Jahr 2020 geht der Global Wind Energy Council (GWEC) nach aktuellen Schätzungen für das Jahr 2021 von einem Rückgang der Neuinstallationen um knapp neun Prozent auf 79 GW aus. Gemäß Prognose bleibt der Wert der globalen Neuinstallationen auch im Jahr 2022 unverändert – führend im Zubau werden China mit 40 GW und die USA mit 10 GW sein. Diese beiden Märkte werden laut GWEC zwischen 2021 und 2025 fast 60 Prozent des gesamten Zubaus beisteuern.
Als Bilanz lässt sich also feststellen, dass die deutsche Industrie – und mit ihr auch die Armaturenbranche – auf einem guten Kurs ist. Unnötige Bremsen sollten aber, so ist die einhellige Meinung von Verbänden, von der Politik gelöst werden. Die Industrie wird es im Laufe des Jahres erfahren, ob sich ihre Wünsche hier erfüllen…