Güterverkehr nimmt Kurs auf LNG

Güterverkehr nimmt Kurs auf LNG ARTIKEL DER WOCHE

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Ehrgeizige Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen hat die deutsche Bundesregierung dem Verkehrssektor mit dem Klimaschutzgesetz gesetzt. Bis zum Jahr 2030 sollen die Emissionen des Verkehrs auf 85 Mio. t CO2eq sinken. Das sind 48 Prozent weniger als 1990. Im Jahr 2020 hat der Sektor allerdings noch über 145 Mio. t CO2eq verursacht. Auch LNG könnte im Verkehrsbereich zu einem wichtigen Impulsgeber werden – unterstützt durch entsprechende Armaturen.

Ein Beitrag von Michael Vehreschild.

Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müssen alle Technologien in Betracht gezogen werden, die eine Treibhausgaseinsparung versprechen. „Insbesondere für den Schwerlastverkehr über lange Strecken sind Gasfahrzeuge, die mit LNG – also verflüssigtem Erdgas – fahren, aktuell die einzige Alternative, um schnelle Treibhausgasreduzierungen zu erreichen“, erklärt der Verband „Zukunft Gas“.

Das Potenzial haben auch die Spediteure erkannt. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz von LNG an den deutschen LNG-Tankstellen auf mehr als 130.000 Tonnen an. Im Jahr zuvor lag er noch bei 47.985 Tonnen. „2021 konnten durch den Einsatz von LNG im Schwerlastverkehr bereits über 100.000 Tonnen CO2eq eingespart werden. Mit Bio-LNG aus Abfall wären bei gleicher Absatzmenge sogar 314.538 t CO2eq eingespart worden“, erläutert der Bran¬chen¬ver¬band der deut¬schen Gas-Wirt¬schaft.

Dieser Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2022 fort: Bereits 40.528 Tonnen LNG wurden von Januar bis März 2022 getankt. Allein im März 2022 lag die LNG-Absatzmenge bei mehr als 14.000 Tonnen. Das entspricht der Absatzmenge des gesamten Jahres 2019. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden damit schon über 36.000 Tonnen CO2eq eingespart.

Für den Schwerlastverkehr über lange Strecken sind Gasfahrzeuge, die mit LNG fahren, aktuell die einzige Alternative, um schnelle Treibhausgasreduzierungen zu erreichen, erklärt der Verband Zukunft Gas. Foto: Zukunft Gas

CO2-Reduktion durch LNG-Lkw

Ein Lkw, der mit LNG betrieben wird, spart gegenüber einem Diesel-Lkw bereits 15 bis 20 Prozent CO2 ein. „Mit Bio-LNG, also verflüssigtem Biogas, lassen sich nahezu klimaneutrale Transporte im Schwerlastverkehr realisieren“, betont Zukunft Gas. Bio-LNG Produktionsanlagen befinden sich im Markthochlauf, so dass ab 2024 signifikante Mengen an deutschen Bio-LNG-Tankstellen erhältlich sein werden. Die Mitglieder des Branchenverbands Zukunft Gas, Shell, Erdgas Südwest und VNG Balance, setzen aktuell bereits Projekte zur Biogasverflüssigung um.

„Gasmobilität ist die einzige marktreife Technologie, die im Schwerlastverkehr sofortige Einsparung von Treibhausgasemissionen verspricht,“ erläutert Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas. „Dieses Klimaschutzpotenzial muss sich auch in den politischen Regelungen widerspiegeln. Mit einer raschen Umstellung auf Bio-LNG und damit verbunden einer Anrechenbarkeit des Bio-LNG auf den THG-Quotenhandel, könnten sinkende Preise erreicht werden. Darüber hinaus brauchen die Spediteure mittelfristig Planungssicherheit für Bio-LNG-Lkw“, so Kehler.

Bis 2030 sollen die Emissionen des Verkehrs auf 85 Mio. t CO2eq sinken. Foto: Pixabay

LNG für die Energiediversifizierung

Das Thema LNG bewegt die Gemüter – mit Blick auf Ökologie, aber vor dem Hintergrund, die Energieversorgung nach dem Krieg Russlands gegen die Ukraine zu diversifizieren.

Das spiegelt sich auch in dem LNG-Beschleunigungsgesetze wider. Der Gesetzentwurf sieht Regelungen vor, mit denen landgebundene und schwimmende LNG-Terminals sowie die erforderlichen Leitungen schneller entstehen können und gleichzeitig langfristig für klimaneutrale Energieträger genutzt werden können. Der Branchenverband Zukunft Gas sieht in dem Vorhaben einen wichtigen Schritt zu einer höheren Versorgungssicherheit und ein wichtiges Signal für den Gasumstieg, den Transformationskurs der Gaswirtschaft.

Um die Versorgung in Deutschland und Europa sicherzustellen, müssen die Gasbezugsquellen schnell diversifiziert werden. Unabdinglich ist dafür der Aufbau von LNG-Infrastrukturen. Dr. Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, begrüßt daher den Entwurf für ein LNG-Beschleunigungsgesetz: „Da die Möglichkeiten begrenzt sind, unseren Gasbedarf kurzfristig durch erneuerbare Energien oder Pipelineimporte zu decken, benötigt Deutschland rasch eigene LNG-Terminals. Alternativen zu Pipelinegas können nachhaltig nur über den globalen LNG-Markt und LNG-Transporte nach Deutschland und Europa entwickelt werden.“ Da stationäre Terminals frühestens 2026 ans Netz gehen können, müssen kurzfristig für den Übergang auch schwimmende Speicher- und Regasifizierungseinheiten (sogenannte FSRUs, Floating Storage and Regasification Units) eingesetzt werden.

Genehmigungsbremsen lösen

Die im LNG-Beschleunigungsgesetz vorgesehenen zulassungs- und genehmigungsrechtlichen Erleichterungen können nach den Worten von Zukunft-Gas-Vorstand Kehler Vorbildcharakter haben: „Die materiellen Zulassungsvoraussetzungen für eine LNG-Energieversorgung bleiben unangetastet. Mit der Beschleunigung der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und Konzessionen löst die Bundesregierung aber Genehmigungsbremsen. Das erleichtert die Zulassung und den Bau der LNG-Terminals und kann als Blaupause für weitere Energiewendeprojekte in Deutschland dienen, beispielsweise für den dringend notwendigen Ausbau der Stromnetze und den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien.“ Insgesamt, so Kehler weiter, „trägt der Entwurf den deutschen und internationalen Klimazielen Rechnung und gibt den Investoren zugleich eine Langfristperspektive für den Import von klimaneutralen Energieträgern und Planungssicherheit. Die Bundesregierung erkennt den Bedarf von Energieimporten an und öffnet so einen Weg für eine auch langfristig verfügbare und zukunftssichere Infrastruktur.“

Ein von Uniper gechartertes LNG-Schiff. Foto: Uniper SE

Wilhelmshaven als Energiedrehscheibe

Der Startschuss für das erste LNG-Terminal in Deutschland ist bereits gefallen. Bundesminister Robert Habeck und die niedersächsischen Minister Olaf Lies und Bernd Althusmann setzten den “ersten Rammschlag” für den Bau des ersten Terminals für Verflüssigtes Erdgas (LNG). Uniper wird als Errichter und Betreiber des Terminals rund 65 Millionen Euro investieren. Wilhelmshaven soll zur Energiedrehscheibe werden.

Die LNG-Tankstellen und der Schwerlastverkehr werden sich genauso wie LNG-Terminals – entlang der gesamten Wertschöpfungskette – auf die Komponenten der Armaturenbranche verlassen können. Sie hat sich in den vergangenen Jahren in diesem Sektor bereits mehr als bewährt.

Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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