Erfolgreich bei der Fachkräftegewinnung

Die Unternehmen sind alarmiert – immer spürbarer ist der zunehmende Fachkräftemangel. Daher fordert aktuell etwa der Bundesverband Der Mittelstand (BVMW) Verbesserungen beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Die Armaturenbranche selbst ist bereits längst aktiv geworden und möchte die Fachkräftegewinnung geregelt bekommen.

Ein Beitrag von Michael Vehreschild.

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für den Mittelstand. Nach den Plänen der Bundesregierung soll verstärkte Einwanderung zur Lösung des Problems beitragen. Die Kommission Bildung des Bundesverbandes Der Mittelstand. BVMW hat sich mit dem Eckpunktepapier zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschäftigt. „Wir begrüßen die Verbesserungen gegenüber dem bestehenden Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Allerdings gibt es immer noch Punkte, an denen dringend nachgebessert werden muss“, betont Thiemo Fojkar, Vorsitzender der Kommission. „Prinzipiell sollte mehr auf die Bedürfnisse der kleinen und mittleren Unternehmen eingegangen werden.“

Bürokratische Hürden abbauen

Positiv anzurechnen seien die durch die Potenzialsäule gestärkte Anerkennung der Erfahrungen und Potenziale sowie die Berücksichtigung non-formeller Kompetenzen. „Die Bundesregierung setzt hier mit der Chancenkarte und einem Punktesystem an. Bei der Fachkräfte- und Erfahrungssäule hingegen hat sich der erhoffte Erfolg gegenüber dem alten Fachkräfteeinwanderungsgesetz nicht gezeigt“, so Fojkar. „Hier gibt es immer noch zu viele bürokratische Hürden, die für Interessierte oft intransparent sind. Insgesamt wäre hier eine zentrale, digitalisierte Anerkennungsstelle für Fachkräfteeinwanderung empfehlenswert.“

Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für den Mittelstand. Foto: Pixabay

Dass noch bürokratische Hürden abzubauen sind, werde insbesondere bei dem Punkt „Sprache“ deutlich. Ein vorgeschriebenes Mindestniveau der deutschen Sprache sollte zweitrangig sein, wenn Unternehmer dies für eine Einstellung nicht voraussetze. Besonders in hochqualifizierten Bereichen werde sowieso mittlerweile vor allem Englisch gesprochen. Dies mache erweiterte Deutschkenntnisse als Einreisekriterium teils obsolet. Diese sollten jedoch zur nachhaltigen Integration später nachgeholt werden.

Auf den Bedarf des Mittelstands zugeschnitten

Kommissionsvorsitzender Thiemo Fojkar: „Außerdem sollte ein deutlich größeres Augenmerk auf unbürokratische digitale Möglichkeiten zur Qualifizierung gelegt werden. Diese Lösung fehlt komplett im bisherigen Entwurf.“ Bereits vor der Einreise könnten vom Arbeitgeber Lernaufgaben gestellt werden, die speziell auf die angestrebte Tätigkeit zugeschnitten werden. Dies gelte auch für Sprachkurse, die digital und kostenlos angeboten werden sollten. Nach Arbeitsbeginn könne mit digitalen Lerntools ein individueller Qualifizierungsprozess für die Anerkennung geschaffen werden.

Auch Künstliche Intelligenz sollte hier genutzt werden. Solche Lerntools gebe es bereits, es fehle jedoch die Schnittstelle zu Verwaltung und Behörden.

„Insgesamt sollte das Eckpunktepapier mehr auf die Bedarfe des Mittelstands zugeschnitten werden, der am meisten unter dem Fach- und Arbeitskräftemangel leidet. Dazu braucht es schnelle, unbürokratische und digitale Lösungen, die sowohl vom Mittelstand als auch von ausländischen Fachkräften einfach angewendet werden können“, macht Fojkar abschließend deutlich.

Fachkräftemangel als größtes Gefährdungspotenzial

Um für die Zukunft gut gewappnet zu sein, braucht natürlich auch die Armaturenbranche ihre qualifizierten Fachkräfte. „Die Betriebe müssen noch einiges tun, um deren Qualifikationen entsprechend weiterzuentwickeln und um sich bei der Fachkräftegewinnung besser aufzustellen“, erklärte der IG Metall Vorstand in seinem Report „Industriearmaturen – Entwicklungen und Herausforderungen für Beschäftigte und Betriebe“ bereits vor rund eineinhalb Jahre. Ein Standpunkt, die unverändert gilt.

Die Branche selbst geht laut dem Report von einem anhaltenden Fachkräftebedarf aus, der zum einen auf den Wandel der Qualifikationsanforderungen zurückgeht und zum anderen durch den auch in der Armaturenbranche spürbaren demografischen Wandel verstärkt wird. Nach Angaben des VDMA stellt die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften für die allermeisten Unternehmen das größte Problem dar. „In weiteren branchenweiten Unternehmensbefragungen wurde ‚Fachkräftemangel‘ als das größte Gefährdungspotenzial für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Unternehmen angegeben“, erklärt die IG Metall weiter. Dort wurde im Zusammenhang mit den Trends zur individualisierten Großserienfertigung und den Veränderungen in der Wertschöpfung eine Unterversorgung von Experten-Know-how festgestellt.

Die Gründe sehen viele Betriebe in strukturellen Nachteilen beim Wettbewerb um Fachkräfte gegenüber größeren Betrieben mit höheren Verdienstmöglichkeiten. „Darüber hinaus treten Stellenbesetzungsprobleme teilweise bereits bei Ausbildungsplätzen auf, weil andere Branchen attraktivere Konditionen oder Entwicklungsperspektiven (zumindest aus Sicht der Jugendlichen) bieten“, so der Report.

Nach Auskünften von Betriebsräten wollen einige Betriebe auf den Bedarf an Fachkräften prophylaktisch reagieren, indem sie die erforderlichen Nachwuchskräfte wieder vermehrt selbst und für den Eigenbedarf ausbilden, heißt es weiter. Allerdings führe dies nicht zwangsläufig zu einer Zunahme der Ausbildungsplätze.

Eine Möglichkeit, einem Fachkräftemangel vorzubeugen, ist es, verstärkt Frauen auch für den technischen Bereich zu gewinnen. Foto: Pixabay

Armaturenbranche aktiv gegen Fachkräftemangel

Doch wer sich in der Armaturenbranche umhört, stellt auch fest, dass zahlreiche Unternehmen bereits aktiv geworden sind, um einen Fachkräftemangel zu verhindern oder zumindest so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel EFCO Maschinenbau: Seit Jahren rücken Frauen als Beschäftigte zunehmend in den Fokus. Sie sind für die Zukunft „sehr wichtig“, betont die EFCO-Geschäftsführerin Martina Effenberger.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Verankerung in der Region. Dieser Umstand „spielt eine sehr große Rolle. Als Nischenhersteller müssen wir uns sichtbar engagieren, um uns hervorzuheben und um die Aufmerksamkeit von potentiellen Auszubildenden zu erreichen“. EFCO zeigt Flagge und ist Sponsor eines Sportvereins und bei lokalen Sportveranstaltungen präsent.

Mit einer Breite an Ansätzen stellt sich das Unternehmen gegenüber der Öffentlichkeit dar. Es bietet Ausbildungen, setzt auf eigenen Nachwuchs, unterstützt Umschulungsmaßnahmen und legt Wert auf die Zusammenarbeit mit umliegenden Hochschulen. Martina Effenberger: „Probate Mittel, dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern.“ Eine große Wichtigkeit besitzt die Weiterbildung und Entwicklung der eigenen Mitarbeiter, die kontinuierlich gefördert und gefordert werden. Denn sie gilt es im Betrieb zu halten. Und die Chemie bei EFCO scheint zu stimmen. Die Mitarbeiterfluktuation ist sehr gering.

Mitarbeiter an Unternehmen binden

Die Nachwuchsgewinnung nimmt auch bei „MIT Moderne Industrietechnik“ eine wichtige Rolle ein. Das Unternehmen unterstützt den nahegelegenen Kindergarten, Grund- und weiterführende Schulen mit regelmäßigen Geld- und Sachspenden. Geschäftsführer Hans-Dieter Tenhaef: „Wo wir benötigt werden, helfen wir – und das nicht nur, um Nachwuchs zu gewinnen, sondern weil wir ein Teil der Region sind.“

Geld als Anreiz spielt aus seiner Sicht hier eine untergeordnete Rolle. Es komme vielmehr darauf an, Teil einer Erfolgsgeschichte zu sein. „Jung und Alt arbeiten bei uns gemeinsam in Teams, mit dem Ziel, erfolgreich für Kundenzufriedenheit zu sorgen.“

Letztlich gehe es aber nicht nur darum, neue Fachkräfte zu gewinnen. Im Fokus muss auch stehen, Mitarbeiter weiter an das Unternehmen zu binden. Etwas, das MIT gelingt. „Ältere und Erfahrene sind die Stützsäulen eines Unternehmens und wir legen sehr viel Wert darauf, dass das bei uns gelebt wird. Auch heute schon beschäftigen wir Menschen über ihr Rentenalter hinaus.“

Weiterbildung wird großgeschrieben

Großgeschrieben wird außerdem die Weiterbildung. Die sei wichtig für das Unternehmen und das werde genau so gegenüber den Mitarbeitern kommuniziert. „Wir sprechen dabei auch über Aufstiegsmöglichkeiten und den zu beschreitenden Weg dahin“, erläutert Hans-Dieter Tenhaef.

Keine Frage, die Industrie und natürlich auch die Armaturenbranche forcieren die Fachkräftegewinnung mit verschiedenen Strategien. Schafft die Politik darüber hinaus die passenden Rahmenbedingungen, etwa beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz, dann können die Unternehmen auch bei diesem Thema optimistisch in die Zukunft blicken.

Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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