Bau von LNG-Terminals wird beschleunigt

Bau von LNG-Terminals wird beschleunigt ARTIKEL DER WOCHE

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Es ist der zu erwartende Schritt, der aber zugleich die Zeitenwende bei der Energieversorgung Deutschlands forciert. Der Bundesrat hat das sogenannte LNG-Beschleunigungsgesetz beschlossen. Es wird den Bau von Terminals für Flüssigerdgas erheblich vereinfachen und beschleunigen. Durch LNG-Terminals soll die deutsche Energieversorgung diversifiziert werden. Die Armaturenbranche steht bereit, diese Anlagen mit ihren Komponenten auszustatten.

Ein Beitrag von Michael Vehreschild.

Das Ziel ist, so schnell wie möglich unabhängig von Gasimporten aus Russland zu werden. „LNG, also Flüssiggas, kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. LNG ermöglicht uns, Erdgas aus Ländern zu beziehen, zu denen keine Pipeline-Verbindungen bestehen“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Durch eigene LNG-Terminals in Deutschland könne verstärkt LNG importiert werden, um bis 2024 russische Gaslieferungen fast vollständig aus anderen Quellen decken zu können.

Es sei daher gut, dass die Bundesregierung der Realisierung von LNG-Terminals nun ein „überragendes öffentliches Interesse“ einräume und die gesetzlichen Grundlagen geschaffen habe, um ihren Bau zu beschleunigen. „Je früher sie zur Energieversorgung beitragen können, desto besser.“

Unternehmen und Bürger sorgen sich mit Blick auf den Krieg in der Ukraine um die Energieversorgung. LNG-Terminals werden aber zu ihrer Diversifizierung und damit auch zu ihrer Sicherung beitragen. Foto: Pixabay

Planung stationärer LNG-Terminals weiter vorantreiben

Wichtig ist jedoch aus Sicht von Kerstin Andreae, dass allen Akteuren klar ist, dass LNG-Terminals erst dann einsatzbereit sind, wenn sie sich sinnvoll ins Energiesystem einfügen. „Die geplante Beschleunigung darf also nicht nur für den Bau der Terminals selbst gelten, sondern muss alle für den Betrieb notwendigen Betriebsmittel und Komponenten, zum Beispiel die Anbindung an die Gas-Infrastruktur, beinhalten.“ Es sei erfreulich, dass dafür der Anwendungsbereich der Regelungen gegenüber vorangegangenen Entwürfen etwas erweitert wurde.

Kerstin Andreae: „Es bleibt jedoch abzuwarten, ob dies bereits genug Rechtssicherheit bietet, um Investitionsentscheidungen zu treffen. Auf keinen Fall darf ein zu enger Anwendungsbereich dazu führen, dass ganze Projekte scheitern oder deutlich verlangsamt werden. Dann hätten wir mit Zitronen gehandelt.“

Die im Gesetz festgeschriebene Beschleunigung des Genehmigungsprozesses gilt für schwimmende LNG-Terminals. Dies gilt mit Blick auf die notwendige rasche Diversifizierung der Gasversorgung als ein wichtiger Schritt. „Gleichzeitig müssen wir aber auch die Planung und den Bau stationärer LNG-Terminals weiter vorantreiben.

Gut ist, dass wir deren längeren Planungszeitraum nutzen können, um eine künftige Nutzung der Terminals mit Wasserstoff und dessen Derivaten von Anfang an konsequent mitzudenken“, betont die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Auch stationäre LNG-Terminals seien mit der Perspektive der Wasserstoffwirtschaft ein wesentlicher Baustein für eine erfolgreiche Energiewende.

Nochmals Klarheit geschafft

Das LNG-Beschleunigungsgesetz schafft also nochmals Klarheit. Um LNG zu importieren, plant die Bundesregierung, kurzfristig insgesamt drei Anlagen in Deutschland zu realisieren – zwei davon in Niedersachsen. „Bis 2025 will die Landesregierung Niedersachen rund 450 Millionen Euro in entsprechende Projekte investieren“, erklärt die LNG.Agentur Niedersachsen.

Die Stadt Wilhelmshaven könnte zum Ende dieses Jahres, spätestens Anfang 2023 mit dem ersten schwimmenden LNG-Terminal (Floating Storage and Regasification Units kurz: FSRU) ans Netz gehen. Noch in diesem Jahr soll im Landkreis Friesland eine 30 Kilometer lange Pipeline durch den Gasnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE) entstehen. Anfangs soll die Leitung eine Kapazität von 10 Milliarden Kubikmetern transportieren können. Vorgesehen ist es, bis 2025 über eine festinstallierte Anlage zu verfügen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Energiekonzern Uniper und RWE damit beauftragt, die Organisation hierfür zu übernehmen.

„Auch im niedersächsischen Stade laufen bereits die Vorbereitungen auf Hochtouren für ein LNG-Terminal der Hanseatic Energy Hub GmbH“, berichtet die LNG.Agentur Niedersachsen. Die Anlage soll über eine maximale Regasifizierungskapazität von 13,3 Milliarden Kubikmetern pro Jahr verfügen, was einem Anteil von bis zu 15 Prozent des deutschen Gasbedarfes entspräche. Bereits Ende März habe der Versorger EnBW eine Absichtserklärung für den Import von drei Milliarden Kubikmeter LNG jährlich über die Anlage in Stade unterzeichnet. Das Terminal soll bis 2026 in unmittelbarer Nachbarschaft des US-Chemieunternehmens Dow in Stade direkt am Elbeufer entstehen.

Ein LNG-Terminal in Brunsbüttel könnte auf diese Weise gestaltet werden. Foto: German LNG Terminal GmbH

Armaturenbranche horcht auf

Hersteller von LNG-tauglichen Armaturen dürften aufhorchen, denn ihre Komponenten werden dringend für diesen Markt benötigt: An den Empfangs- und Abgabeterminals, Verflüssigungsanlagen, Verdampfungsanlagen sowie in den Speichertanks wird die Ab- und Zufuhr von LNG per Ventil geregelt. Absperr- und Sicherheitsarmaturen sorgen für den reibungslosen Strom. Bedingt durch immer höhere Anforderungen der Sicherheitsstandards wächst die Zahl der Fire-Safe zugelassenen Edelstahlarmaturen. Fire-Safe-Armaturen werden vor allem für Tanker und Terminals gefordert.

Der LNG-Markt erscheint lukrativ: Weltweit sprießen zunehmend LNG-Projekte aus dem Boden. Vor allem die USA setzen auf einen massiven Export von LNG.

Und die Armaturenbranche bietet Lösungen für LNG-Terminals. Beispielsweise Emerson. Um Risiken aufgrund von Gasleckagen zu reduzieren, kann die Wahl auf ein Armaturengehäuse mit Schweißenden in LNG-Terminals fallen. Häufig sind auch Wartungsarbeiten im Inneren von Rohrleitungen erforderlich. „Da der Armaturenmarkt darauf überwiegend mit Angeboten mit seitlichem Eintritt reagiert, sind diese Arten von Armaturen gewöhnlich sehr gefragt“, erklärt das Unternehmen. Obwohl Armaturen mit Schweißenden und seitlichem Eintritt häufig während der FEED-Phase spezifiziert würden, „entdecken EPC-Auftragnehmer mehr und mehr die Vorteile von Armaturen mit Eintritt von oben, der sogenannten Top-Entry-Bauweise, die eine hohe Funktionsfähigkeit und Sicherheit bieten“.

Bereit für den LNG-Markt

Während eine einfache Inspektion praktisch erscheinen mag, erweisen sich die tatsächlichen Wartungs- und Reparaturarbeiten für das Wartungspersonal aus Sicht von Emerson als äußerst schwierig „oder sind sogar unmöglich“. Darüber hinaus bestünden hohe Sicherheitsrisiken sowohl für das Personal als auch den Anlagenbetrieb. Die Hauptvorteile der Vanessa Serie 30.000 von Emerson „basieren auf der robusten reibungsfreien Triple-Offset-Konstruktion mit Aufpanzerung aus Stellite® und massiven Dichtringen, die bei dieser Tieftemperaturanwendung zum Einsatz kommen“.

Dadurch verfüge das Produkt über eine äußerst lange Lebensdauer, die Wartungsarbeiten zum größten Teil überflüssig macht. Falls dennoch eine unvorhersehbare und schwierige Reparatur erforderlich sein sollte, sei der Zugang zur Rohrleitung durch die Top-Entry-Bauweise gewährleistet. „Vanessa Armaturen der Serie 30.000 in Top-Entry-Bauweise für Tieftemperaturanwendungen ermöglichen den direkten Zugang zu allen Teilen der Innengarnitur.“

Die Armaturenbranche scheint also bereit, LNG-Terminals mit ihren Komponenten auszustatten.

Um Haushalte und Unternehmen mit LNG versorgen zu können, werden auch Pipelines benötigt, die zu den Terminals führen. Foto: Pixabay
Michael betreut die Armaturen Welt als Redakteur. Als ausgebildeter Journalist beschäftigt er sich bereits seit vielen Jahren mit der Industrie und ihren Herausforderungen. Er weiß um die Themen, die die Armaturenbranche beschäftigt, und durchleuchtet sie in seinen Hintergrundberichten und Interviews.

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